Hüter des Wissens

 

Fengur war bereit. Fast sein ganzes Leben hatte er gewartet. Auf ein Zeichen. Und dann hatte er sie gesehen.

Vor 47 Menschenjahren war er ihr schon einmal begegnet. Während des letzten großen Krieges. Er war damals noch ein junger Mensch gewesen – den Kopf voller Ideale und voll guter Hoffnung. Das war lange her. Doch die Hoffnung hatte er nie aufgegeben. 47 Jahre waren ein halbes Menschenleben. Und sie war immer noch ein Kind, als er sie vor einigen Monaten sah. Nur in ihren Augen konnte er lesen, dass sie schon mehr gesehen hatte, als die meisten jemals sehen werden.

Fengur hatte instinktiv gehandelt. Hatte gegen den Kodex verstoßen. Den Stein selbst ins Rollen gebracht. Doch in Zeiten wie diesen konnte man nicht warten, bis sich die Dinge selbst ordnen. Es war ein Zeichen. Er hatte etwas angestoßen, dessen Ausmaß ihm unbekannt war.

Er stand in der großen Halle seines riesigen Hauses am Meer. Er stand an der meterhohen Fensterfront und sah das Meer viele Meter unter ihm an die Klippen schlagen. Es war stürmisch und regnete. Auch das Wetter schien zu wissen, dass etwas geschehen würde. Seit Wochen regnete es. Das Haus stand einsam. Die Menschen verirrten sich nur selten in diese Gegend. Man musste zu weit durch die Einöde laufen, bis zu den Klippen, um das Haus zu erreichen.

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