Ungelesen

Ungelesen

Der Autor ist tot, ist neulich gestorben, ist morgens ganz einfach nicht wieder erwacht. Er war schon recht alt, wär bald 90 geworden – die Andern und ich haben Tränen gelacht bei all seinen Worten und Sätzen, Geschichten von Helden und Schurken durch Welten gelenkt in wohlklingender Sprache in Versen, Gedichten; hat Zeit seines Lebens uns Träume geschenkt.   Die Wohnung ist leer doch so voller Seele. Am Schreibtisch noch immer sein uralter Hocker. Ich lächle, als ich ihn dort nachdenken sehe über tollkühne Epen oder blutige Schocker, die Finger voll Tinte, gebeugt über Blätter – vergangene Bilder nur in meinem Kopf… …seh wie ich als Junge den Zaun rüber kletter, nervös und gespannt an die Holztüre klopf, den Autor zu...

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Schwarzbunt sind die Kühe

Schwarzbunt sind die Kühe

Hi. Ich bin Paul. „Paul“ war damals eine echte Glanzleistung meiner Eltern. Also die Namenswahl. So hieß nämlich mein Opa, der kurz vor meiner Geburt gestorben ist. Hab ihn nie kennengelernt, den Opa. Mütterlicherseits. Bei genauerer Betrachtung hab ich es aber noch ganz gut erwischt – mein anderer Opa heißt nämlich Günther. Der ist noch am Leben und auch ziemlich fit. Und manchmal ist er der einzige in meiner Familie, den ich nicht zum Kotzen finde. Vielleicht, weil er mich noch nie wegen meiner Klamotten, meiner Musik oder meiner Haare genervt hat. Opa Günther hat das irgendwie nie interessiert. Ich helfe ihm manchmal auf dem Hof, da hab ich gar kein Problem damit. Also mit dem ganzen Mist – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich mag sie sogar, die...

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Der Erbe der Königin

Der Erbe der Königin

Die Fortsetzung vom „Erben des Königs“ – Geschichte Nummer Zwei einer geplanten Trilogie… Und wieder ist es ein Roadmovie geworden…   Die dunklen Zeiten in einer dunklen Welt waren Vergangenheit. Vorbei der kalte Krieg zwischen Grünbergen und Kupfergrund. Die Zeichen standen auf dauerhaften Frieden und Wohlstand. Nur Golradir fand seit fünfzehn Jahren keinen Frieden. Und über diese Tatsache konnte ihn auch sein wahrhaftig gewaltiger Wohlstand nicht hinwegtrösten.   Seit er, der Reisende aus der Zukunft, das Rad der Zeit manipuliert und auf neuen Kurs gebracht hatte musste er mit einer großen Lüge leben. Auf seiner Reise in der Gestalt Salaniels, des Königs von Kupfergrund, hatte er Herz über Verstand siegen lassen...

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Hinter den Masken

Hinter den Masken

Ich wollt die Feinde meiner Welt unzählig oft schon fragen, ob sie auf sich allein gestellt auch ihre Masken tragen. Ob jene Herren Schicksalslenker, die vor falschen Göttern knien, all die Größenwahnsinnsdenker, die Rolle auch privat durchziehn.   Habt ihr Kinder, könnt ihr lieben, sitzt ihr auch mal faul herum? Könnt ihr lachen nach Belieben oder bleibt die Seele stumm? Habt ihr Angst vor irgendetwas, macht das Leben für euch Sinn? Fühlt ihr Neugier, Schmerz und Spaß, steckt noch Menschlichkeit darin?   Ihr wart mal eines Menschen Kinder! Was ist mit euch geschehen? Die Maske macht euch blind und blinder, ihr konntet einstmals sehen! Welch Hexe hat sich eure Herzen einverleibt und ausgesaugt, welch Zauber quält euch unter Schmerzen, was hat...

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Der Flötenspieler

Der Flötenspieler

„Und in diesem steinernen Sarg liegen die Überreste jenes geheimnisvollen Mannes, dessen Identität man bis heute nicht zweifelsfrei feststellen konnte und welche man zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei Grabungen in den ehemaligen Katakomben dieses Klosters zu Tage befördert hat. Geheimnisvoll ist dieser namenlose Ritter, weil er mit seinen 1,78 Meter Körpergröße, dem beinahe makellosen Gebiss und einem geschätzten Alter von 75 Jahren für damalige Verhältnisse über beinahe magische Kräfte verfügt haben muss. Ob man ihn wohl als Gott verehrt, als Hexer verfolgt oder als Dämon gefürchtet hat? Außerdem trug er etwas bei sich, das ihn mit einer alten Legende in Verbindung bringt, die ich Euch, werte Schaulustige, sogleich zu erzählen gewillt bin… So...

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Für Agathe

Für Agathe

12.01.: Heute haben wir das Gebäude zum ersten Mal betreten. Die letzten Wochen waren die Temperaturen hartnäckig unter dem Gefrierpunkt geblieben und daher lässt sich unser erster Eindruck auch nur mit einem Wort beschreiben: eiskalt. Seit Jahren hatte keiner mehr die Tür zu diesem alten Theater aus dem Jahre 1860 geöffnet. Es hatte die letzten Jahrzehnte leer gestanden. Vor einigen Wochen war es dann plötzlich zum Verkauf gestanden. Für eine lächerliche Summe. Und wir, der Verein zur Förderung der Kultur unserer kleinen Gemeinde, haben tatsächlich den Zuschlag bekommen und uns gegen einen harten Mitbewerber durchgesetzt, der als örtlicher Bauunternehmer das Gelände für einen Parkplatz oder eine Reihenhaussiedlung gut hätte gebrauchen können. Doch...

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Wir schaffen die Zeit ab

Wir schaffen die Zeit ab

Du rennst. Du weißt. Du musst. Termine. Zwänge. Frust. Melancholie statt Lebenslust. Kommt die Erkenntnis unbewusst: Wir schaffen die Zeit ab. Sonst schaffen wir uns ab. Wir schaffen die Zeit ab. Denn sie ist eh knapp. Wir schaffen die Zeit ab. Sonst geht es bergab. Wir schaffen die Zeit ab. Wer braucht diesen Maßstab. Wir schaffen die Zeit ab. Wir schaufeln ein Zeitgrab. Da. Plötzlich. Innehalten. Den Turbo einfach abschalten. Du siehst, du riechst, du schmeckst, den Reichtum den du entdeckst – wenn der Adler sich in die Lüfte hebt und jede Faser deines Seins belebt. Doch es bleibt nur ein kurzer Traum, es ist vorbei als es begonnen kaum. Denn es gibt immer einen Idioten, der denkt, „das gehört verboten.“ Er hat sich heimlich...

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Tintenschwert

Tintenschwert

Worte können Schwerter sein, wie Granaten explodieren – ihre Splitter dringen tief selbst in dickste Köpfe ein. Worte können losmarschieren, sobald sie jemand rief – wie tödlich scharfe Messerklingen stechen sie in kalte Herzen, bohren Löcher ins Bewusstsein, können Riesen niederringen, das Übel dieser Welt ausmerzen, reißen jede Mauer ein. Doch all die Worte helfen nicht und können nichts erbauen, werden Sinn und Zweck verlieren wenn keiner sie je spricht. Jemand muss sich folglich trauen, seinen Zorn zu formulieren, all die Sätze laut zu sagen, harte Worte und die schlauen. Doch alte Narren gibt’s nicht mehr, wer sonst wohl könnt‘ es wagen? Es wird Zeit, sich umzuschauen, es müssen neue Narren her! Ihr, verehrte Herren, Damen, seid...

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Die alte Frau und das Zeitglas

Die alte Frau und das Zeitglas

Eine alte Frau hatte vom Teufel eine Sanduhr bekommen, in der ihre Lebenszeit als feiner Sand unaufhörlich durch die Gläser rieselte, von oben nach unten, unaufhaltsam. Jeden Tag schaute die alte Frau fortan auf ihre Sanduhr und freute sich, dass noch so viel Sand im oberen Glase war und ihr Lebensende noch so weit entfernt schien. Doch mit jedem einzelnen Tag wurde der Sandberg im unteren Glas der Sanduhr höher – und ihre verbleibende Zeit wurde immer weniger. Und weniger. Und weniger. Wo sie also vor Jahren noch jeden Tag voll Freude auf Ihre Sanduhr geschaut hatte, saß sie nun griesgrämig am Frühstückstisch und fragte sich, wie es hatte passieren können, nein, wie sie es hatte zulassen können, dass der Sand so schnell durchgerieselt war. Dieser...

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Rad der Zeit

Rad der Zeit

Junges muss zu Altem werden, jeder Frühling wird zum Winter und auch deines Kindes Kinder wandeln nur begrenzt auf Erden. Was geboren wird muss gehen, Vergangenes kommt nicht zurück, doch jedes Ende wird zum Glück als Anfang  neu entstehen. Denn es dreht sich, dreht sich immer, langsam, sicher, urgemütlich, weiter, weiter, nimmt dich mit sich, wie ein Uhrwerk stoppt es nimmer! In der Sanduhr deines Lebens rinnt der Sand durch deine Hände, bis zum Ende, bis zum Ende. Willst ihn greifen, doch vergeblich, deine Zeit wird sicher enden. Jeder weiß es, jeder weiß es, du bist Teil des Zeitenkreises, sollst den Sand nur nicht verschwenden. Denn es dreht sich, dreht sich immer, langsam, sicher, unerschöpflich, weiter, weiter, nimmt dich mit sich, wie ein Uhrwerk...

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