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Das Mädchen und der Wolf

Einmal hat das kleine Mädchen im Wald einen Wolf getroffen.

„Bist du der große, böse Wolf?“ fragte es ängstlich.

„Nein“, antwortete der Wolf. „Ich bin seine Gefährtin.“

„Wirst du mich auffressen?“ fragte das kleine Mädchen.

Die Wölfin lachte: „Nein, ich habe heute schon gefressen. Außerdem essen wir keine Menschen. Wir fürchten die Menschen. Wir gehen ihnen lieber aus dem Weg.“

„Warum habt ihr Angst vor uns? Wir tun euch doch nichts!“ Das kleine Mädchen war neugierig.

„Ihr tut uns nichts?“ Die Wölfin wurde ärgerlich. „Ihr habt uns beinahe ausgerottet, zerstört unsere Lebensräume, nehmt uns unsere Nahrung…“

„Aber ICH habe doch nichts davon getan!“ sagte das kleine Mädchen ängstlich. „Wirklich!“

„Aber du hast auch nichts getan, um es zu verhindern.“ Die Wölfin blickte finster.

„Was kann ich kleines Mädchen denn schon tun?“ Das Mädchen fühlte sich unbedeutend und schwach.

„Komm mit, kleines Mädchen, ich zeige dir etwas!“ Die Wölfin ging voraus zu einer großen, jahrhundertealten Eiche.

„Hier, leg dein Ohr an diesen Stamm und schließe deine Augen…“

Das Mädchen tat wie ihm geheißen.

„Kannst du es hören? Dieser Baum kann dir alte Geschichten erzählen, du musst ihm nur zuhören!“

Und das kleine Mädchen lauschte den Geschichten des Baumes. Es waren Geschichten aus alter Zeit. Als die Tiere und Menschen in Eintracht lebten. Bis zu dem Moment, als einer der Menschen nicht genug bekommen konnte und mehr haben wollte als alle anderen. Als er anfing, die Erde zu knechten und auszubeuten, die Tiere zu töten, den Boden zu verseuchen, die Luft zu verpesten und die Natur zu vernichten.

Der Baum war traurig. Er war traurig und müde und würde bald sterben, denn er konnte kaum noch Nahrung aus der Erde saugen – stattdessen sog er das Gift der Menschen in seine Adern.

Das kleine Mädchen schlug atemlos die Augen auf.

„Ich weiß, was ich zu tun habe!“ sagte es aufgeregt. „Leb wohl, liebe Wölfin!“

Das kleine Mädchen rannte davon.

Sie ging nach Hause und erzählte allen von den Geschichten des Baumes und der Wölfin im Wald.

Und die anderen zogen los, tief in den Wald hinein – und erschossen alle Wölfe.

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