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Interview mit Prof. Dr. Ignatius W.

Eine deutsche Großstadt. Ein Hotelzimmer der gehobenen Mittelklasse. Auf einem Sofa sitzt der Professor und stellt sich den Fragen der versammelten Pressegemeinschaft.

Realistisch betrachtet hat sich nur ein Reporter eines drittklassigen Lokalblattes eingefunden. Alle anderen sind leider zeitgleich mit der Berichterstattung der Filmfestspiele beschäftigt und der Frage, die Namen welches Promipärchens man denn noch auf witzige Weise zu einem gemeinsamen Paarnamen zusammenfügen könnte. Da blieben bedauerlicher- und verständlicherweise keine Kapazitäten mehr, um dem Aufruf des Professors zu folgen, der laut eigener Aussage die Lösung gefunden hat.

Reporter: „Herr Professor, Sie haben also die Lösung gefunden?!“

Professor: „Ja, das ist korrekt. Nach langen Jahren der Forschung und persönlichen Entbehrungen habe ich eine Maschine entwickelt, die mit einem einzigen Knopfdruck die Lösung bringt.“

R: „Die Lösung welchen Problems bringt denn diese Maschine?“

P: „Nun, ich würde sagen, die Lösung so ziemlich jeden Problems. Meine Maschine bringt gleichzeitig Weltfrieden, Wohlstand für alle und eine gesunde Umwelt.“

R: „Das klingt interessant. Sie haben in Ihrer Einladung bereits einiges zur Entstehungsgeschichte Ihrer Maschine durchblicken lassen. Obwohl die Entwicklung weitgehend von der Öffentlichkeit abgeschirmt wurde, interessierten sich bereits einige größere Organisationen für Ihre Forschungen. Können Sie dazu etwas sagen?“

P: „Nun, selbstverständlich konnte ich nicht verhindern, dass etwas von meinen Forschungen nach außen dringt, was verständlicherweise einige Gruppierungen auf den Plan gerufen hat. Die Bedenken der Pharmaindustrie konnte ich zu deren höchster Zufriedenheit allerdings zerstreuen, denn leider kann meine Maschine keine Krankheiten heilen. Die Entscheidung der GEZ steht dagegen noch aus.“

R: „Die GEZ interessiert sich dafür?“

P: „Ja, sicherlich. Da meine Maschine mit bestimmten Funkfrequenzen arbeitet, mit denen man theoretisch Radiosender empfangen könnte, wenn man einen entsprechenden Empfänger und Geräte zur akustischen Wiedergabe einbauen würde, will man natürlich entsprechende Abgaben sehen. Ich bin momentan dabei, gerichtlich dagegen vorzugehen.“

R: „Da wünsche ich Ihnen natürlich viel Erfolg.“

P: „Ich danke Ihnen.“

R: „Herr Professor, was unsere Leser sicherlich brennend interessiert: Wann werden Sie den Knopf drücken?“

P: „Nun, so einfach ist das nicht. Momentan fehlt mir noch die Freigabe durch den TÜV, einige patentrechtliche Fragen sind noch nicht geklärt und ich bin zu pleite, um den Strom zu bezahlen, den die Maschine verbrauchen würde.“

R: „Aha. Aber sind solche Forschungen denn nicht staatlich subventioniert?“

P: „Ich habe mehrere Anträge gestellt, die jedoch alle abschlägig beschieden wurden, da der Nutzen für die Allgemeinheit nicht ausreichend dargelegt werden konnte. Man hat dann lieber meine Kollegen im atomaren Abwehrbereich finanziell unterstützt.“

R: „Atomar ist ein gutes Stichwort. Sie haben für den Antrieb der Maschine einige Kilogramm radioaktiv angereichertes Uran verwendet. War es schwierig, die Genehmigungen dafür zu bekommen?“

P: „Nein, das war kein Problem. Man muss nur darauf achten, dass man auf dem Antrag unter „Verwendung“ das Kreuz in der richtigen Zeile setzt.“

R: „Und was ist die richtige Zeile?“

P: „Waffenexport.“

R: „Nun gut. Herr Professor, es gab Gerüchte über ein geheimes Treffen zwischen Ihnen und dem Vorsitzenden der Oppositionspartei zwecks Verwendung Ihrer Maschine zu Wahlkampfzwecken bei den nächsten Parlamentswahlen. Ist an diesen Gerüchten etwas dran?“

P: „Nein. Ein solches Treffen hat nie stattgefunden. Man hatte zwar telefonisch Kontakt zu mir aufgenommen, um dieses Thema zu erörtern, doch ich habe dankend abgelehnt. Weltfrieden, intakte Natur und Ende der Armut als Themen eines politischen Wahlkampfes hielt ich für zu weit hergeholt und unrealistisch. Das hätte keinem etwas genützt. Wahr ist allerdings, dass bereits von einigen deutschen Anwälten parallel an einer prophylaktischen Klageschrift gegen mich gearbeitet wird.“

R: „Man will Sie verklagen?“

P: „Selbstverständlich. Einige werden ja gegen ihren ausdrücklichen Willen zu Frieden und Wohlstand geführt werden. Da muss man vorbereitet sein.“

R: „Herr Professor, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.“

P: „Ich danke Ihnen für Ihr Erscheinen. Ich habe nun auch leider keine Zeit mehr. Ich habe noch ein Treffen mit einigen Herren aus dem Nahen Osten, die sich sehr für meine Forschungen interessieren. Sagen Sie, kennen Sie zufällig den Weg zu den stillgelegten Docks am Hafen?“

 

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